„Bilder der Verbrecher – filmische Blicke auf Täter im Nationalsozialismus"

Wie lässt sich die Geschichte des Nationalsozialismus filmisch erzählen – als Prozessdokumentation, als Familiengeschichte, als Propagandaanalyse oder als investigative Spurensuche? Die Filmreihe des Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung in der Regenbogenfabrik in Kreuzberg zeigt an vier Abenden vier sehr unterschiedliche dokumentarische Zugänge zu Täter*innen, Mitläufer*innen und der Frage, wie Gesellschaften mit dieser Vergangenheit umgehen. Von der Rekonstruktion des Eichmann-Prozesses über eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen NS-belasteten Vater bis hin zur sowjetischen Propagandaanalyse und der jahrelangen Suche nach dem „Schlächter von Lyon" Klaus Barbie: Die vier Filme zeigen, wie das Kino Erinnerung, Verdrängung und Aufarbeitung sichtbar macht – und werfen die Frage auf, wie der Nationalsozialismus und seine Verbrechen nachgewirkt haben.

11.11., Ein Spezialist.

Eyal Sivans „Ein Spezialist" montiert ausschließlich Originalaufnahmen des Eichmann-Prozesses von 1961 zu einem eindringlichen Porträt des Angeklagten. Am 11. April 1961 begann in Jerusalem der Prozess gegen Adolf Eichmann, dem zur Last gelegt wurde während des Dritten Reichs als Leiter des Referats IV-B-4 des Reichssicherheitshauptamts verantwortlich für die millionenfache Deportation von Menschen, zumeist Jüd*innen, in die Vernichtungslager in Osteuropa gewesen zu sein.

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16.11., 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß

Die Familie eines Nazitäters, 60 Jahre nach Kriegsende. Längst ist die Wahrheit über die Vergangenheit des Vaters aktenkundig, aber unter seinen Verwandten wird sie beschönigt, geleugnet und verdrängt - mit all der Leidenschaft, zu der nur Familienbande fähig sind. Malte Ludin nähert sich in diesem Film seinem eigenen Vater, dem NS-Diplomaten Hanns Ludin. 1941 schickt ihn Hitler als Gesandten in den "Schutzstaat" Slowakei. Als "Bevollmächtigter Minister des Großdeutschen Reiches" soll er dort die Interessen Berlins durchsetzen: vor allem die "Endlösung".

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25.11., Der gewöhnliche Faschismus.

Der sowjetische Regisseur Michail Romm montierte 1965 aus Wochenschauen, Propagandafilmen und privatem Amateurmaterial des NS-Regimes eine scharfe Analyse der faschistischen Bildsprache. „Der gewöhnliche Faschismus" seziert die Mechanismen von Verführung, Inszenierung und Massenmobilisierung und fragt, wie aus Bildern Ideologie wird. In direktem Dialog wendet sich der Regisseur zu Beginn persönlich an die Zuschauer*innen und der neben ihm sitzende Übersetzer lädt den Betrachter ein „mit [ihm] zu denken“.

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29.11., Hotel Terminus – Leben und Zeit von Klaus Barbie

Marcel Ophüls rekonstruiert in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm die Geschichte von Klaus Barbie, dem Gestapo-Chef von Lyon, verantwortlich für Folter und Deportation zahlreicher Widerstandskämpfer und Juden. Der Film verfolgt Barbies Weg von seiner Nachkriegskarriere im Dienst westlicher Geheimdienste bis zu seiner Auslieferung und seinem Prozess 1987. In zahllosen Interviews mit Zeitzeugen, Tätern und Ermittlern entsteht ein vielschichtiges Bild darüber, wie NS-Verbrecher nach 1945 Schutz und neue Loyalitäten fanden.

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Die Veranstaltungsreihe wird von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert.