Stadt - Rausch - Regierung

Stadt - Rausch - Regierung

Drogenpolitiken in Berlin und anderswo
Veranstaltungsreihe

Ob offene Trink-, und Heroinszenen, Pubcrawls, Dealer in den Parks, Stadtfeste, Familienfeiern oder Kokaintaxis – der Konsum psychoaktiver Substanzen gehört längst zum städtischen Alltag. Zugleich sind diese Drogenkulturen Gegenstand vielfältigster Versuche ihrer Regulierung und Kontrolle – oftmals begleitet von emotionalen öffentlichen Debatten und breiter medialer Berichterstattung. Jenseits von Romantisierung und Panikmache widmet sich diese Vortrags- und Diskussionsreihe der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der drogenaffinen Dimensionen urbanen Lebens in Berlin.

Unter dem semantischen Dach eines breiten Drogenbegriffes geht es somit nicht alleine um den alltäglichen Gebrauch psychoaktiver Substanzen, sondern ebenso um pharmakologische sowie alkohol- und koffeinhaltige Stoffe und Arzneien. Die Illegalisierung, Kriminalisierung und Stigmatisierung der als toxisch betrachteten psychoaktiven Substanzen einerseits und der weitverbreitete Gebrauch legaler Drogen und Medikamente andererseits ist Ausdruck spezifischer, verräumlichter und historischer Regierungsformen von Rausch, Vergiftung und Genuss.

In den nächsten Monaten führen wir in lockerer Folge Gespräche mit wichtigen Akteur*innen und Expert*innen der Berliner Drogenarbeit und –politik, aber auch mit Menschen mit pharmakologischer und drogistischer Alltags- Arbeits- und Feierkulturen. Dabei werden wir einzelne Facetten beleuchten: Wir fragen nach der politischen und moralischen Ökonomie des Konsums und Rausches, beschäftigen uns mit den Praktiken der Versorgung oder Bestrafung von Konsument*innen und analysieren die Diskurse von Prohibition und Genuss im Kontext lokal situierter Drogenpolitiken.

Veranstaltet im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts „Governing the Narcotic City“ sowie des Projektes „Shared Spaces – europäische Dialoge über öffentliche Räume“ des Heinrich-Böll-Stiftungsverbundes. Eine  Kooperation der Berliner Forscher*innengruppe mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Verein Fixpunkt.

Veranstaltungen

Fragmente einer Drogengeschichte Berlins
12. November 2019, 19:00 Uhr
Aquarium | Südblock

Von den Likörstuben der Weimarer Republik über die experimentellen Drogenkulturen im Kalten Krieg bis zum Rave- und Feierboom der Nachwendezeit: Der Konsum von psychoaktiven Substanzen ist internaler Bestandteil der Alltagsgeschichte Berlins. Zugleich sind die Formen und Orte ihres Gebrauchs, ihre Kriminalisierung, Stigmatisierung und Romantisierung, einem starken historischen Wandel unterworfen.

In einer Art historischen Revue wollen wir fünf Momente in der turbulenten Geschichte Berliner Drogenkulturen des 20. und 21. Jahrhunderts schlaglichtartig vorstellen. Dieser Reigen verschiedenster substanzinduzierter Situationen und Konflikte soll ein Gespräch über Kontinuitäten, Zäsuren wie auch Alternativen von städtischen Rauschregimen und Feierkulturen eröffnen.

Mit:

Sina Fabian (Historikerin, HU Berlin)
Jan-Henrik Friedrichs (Historiker, Uni Hildesheim)
Lora Nikolova (Kulturantropologin, Berlin)
Ned Richardson-Little (Historiker, Universität Erfurt)
und anderen

Moderation: Stefan Höhne (Kulturwissenschaftler, KWI Essen)

Zur Anmeldung

Konsum und Kontrolle
Januar 2020
Aquarium | Südblock

Die Fortsetzungsveranstaltung im Januar 2020 wird sich den Orten der Zirkulation, Distribution und Konsumption von Drogen aus einer sozialräumlicher Perspektive widmen. So kann beispielsweise die Berliner U-Bahnlinie 8 gegenwärtig als wichtiger Mobilitäts- und Aktivitätsstrang eines vor allem an Amphetamin und Opiaten orientierten Waren- und Konsumptionsverkehrs interpretiert werden. Andere Orte wiederum stehen synonym für Trink-, Cannabis- oder Schnüffelszenen. Solche Lokalisierungen sind im Verständnis einer sozialen Produktion des Raumes auch als Verdichtung unterschiedlicher, zusammenwirkender Alltagspraktiken, städtischer Planungs- und Ordnungsvorstellungen sowie sozialpolitischer Regierungstechniken zu sehen. Dies eröffnet analytisch auch in der Betrachtung lokaler Settings Aussagen zum gesamtgesellschaftlichen Charakter der dort gelebten Situationen.

Projektpartnerschaft

Governing the Narcotic City Projektseite
Öffentliche Räume Projektseite